Darüber müssen wir sprechen: Endometriose | Teil 1

Ich möchte künftig meinen Blog verstärkt dafür nutzen, um Themen, die in der Gesellschaft offenbar keinen oder zu wenig Platz finden, Gehör zu verschaffen. Meinen heutigen Beitrag widme ich dem Thema Endometriose.

Wusstest du, dass zwischen 120.000 und 300.000 Frauen in Österreich* unter der Erkrankung Endometriose leiden? Wusstest du außerdem, dass diese Krankheit mit unglaublichen Schmerzen verbunden und eine häufige Konsequenz Unfruchtbarkeit ist? Und wusstest du, was Endometriose konkret bedeutet? Nein? Dann bist du nicht alleine, denn zu wenige Menschen (auch Frauen!) wissen über dieses Krankheitsbild Bescheid.

Endowas?

Bei Endometriose spricht man von einer Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe auch außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst, wie zum Beispiel im Bauchraum, Eierstock oder Eileiter.

Da diese sogenannten Endometriose-Herde den hormonellen Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut unterliegen, wachsen sie heran und werden abgestoßen. Jedoch kann die abgelöste Schleimhaut nicht über die Scheide abfließen und bleibt im Körper. Dies kann zu Verwachsungen und Entzündungen führen.

Bei manchen Menschen treten starke und bei manchen kaum Beschwerden auf. Aus diesem Grund und da die Symptome auch auf andere Erkrankungen hinweisen können, ist es oftmals schwierig, eine klare Diagnose zu stellen. Durchschnittlich dauert es 10 Jahre, bis die Erkenntnis vorliegt.

“Nur” Regelschmerzen, oder?

Viele Frauen wissen jedoch nicht einmal, dass es so etwas wie Endometriose gibt. Kein Wunder, wenn die Symptome laufend mit “typischen Regelschmerzen” abgetan werden.

Ich würde dir eine Untersuchung auf Endometriose ans Herz legen! Schon alleine, um für sich selbst Gewissheit zu schaffen!

  • Symptome, die für Endometriose sprechen könnten:
  • starke Schmerzen während der Monatsblutung
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder danach
  • Schmerzen oder Blutungen, wenn Blase oder Darm entleert werden
  • unerfüllter Kinderwunsch
  • starke oder verlängerte Monatsblutungen
  • Unterbauchschmerzen, die von der Monatsblutung unabhängig sind und sehr heftig sein können

Kurzer Ausflug in meine Welt:

Ich selbst bin alleine durch intensive Recherche darauf aufmerksam geworden. Krankenhaus, Hausarzt, Frauenarzt – alle waren sich einig – es handelt sich bei meinen Schmerzen “bloß” um Menstruationsbeschwerden. (Und ich bin mir sicher, dass es da draußen vielen Frauen ebenso ging bzw. geht!)

Dass ich mich vor Schmerzen übergebe oder gar ohnmächtig werde, sei ebenfalls “normal”. Regelmäßige Fahrten mit dem Rettungsdienst oder Besuche vom Arzt inklusive Infusion wären natürlich auch ganz “üblich”.

Nein, natürlich sind das nicht “nur” Regelschmerzen! Und bis ich bzw. Spezialisten darauf kamen, vergingen viele Jahre. Schlussendlich wurde der Verdacht auf Endometriose diagnostiziert.
Meine erste untersuchende Ärztin konnte leichte Verwachsungen der Gebärmutter feststellen. Der bei der Nachuntersuchung anwesende Arzt konnte die Diagnose seiner Kollegin jedoch nicht bestätigen, weshalb bloß ein Verdacht bestätigt wurde. (Zitat “Um das genau rausfinden zu können, müssten wir operieren. Und für eine Operation sind die Herde zu wenig sichtbar.”)

Anlaufstellen

An dieser Stelle möchte ich nochmals erwähnen: Lass dich nicht belächeln und auf keinen Fall abwimmeln! Ich weiß, wie einschränkend diese Schmerzen sein können. Zu oft wird einfach die Pille verschrieben (da diese den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut hemmt), in der Hoffnung, eine schnelle Lösung gefunden zu haben.

Anlaufstellen können zum Beispiel sein:

Und jetzt? Behandlungsformen

Für gewöhnlich ruht die Therapie von Endometriose auf zwei Säulen:

  1. Medikamente (Schmerzmittel und hormonelle Präparate)
  2. Operative Behandlungen (Entfernung der Herde, Lösung von Gewebeverwachsungen)

Auch hier möchte ich nochmals auf meine persönliche Geschichte eingehen. Zur Behandlung meiner Schmerzen (vor der Untersuchung auf Endometriose) wurden mir stets folgende Optionen angeboten:

  1. Hormontherapie mittels Pille (fällt für mich flach, da mein Körper die Hormonzufuhr leider nicht verträgt. Stichwort Depression)
  2. Schwanger werden (ich werde bestimmt kein Kind zeugen, nur damit ich von Schmerzen befreit bin)
  3. Schmerzmittel (die wohl einzige Option für mich. Das is auch der Grund, warum ich wie ein Junkie stets Schmerztabletten bei mir trage)

Nach meiner Untersuchung auf Endometriose wurde mir neben den ersten drei Optionen oberhalb noch folgendes angeboten:
Chirurgischer Eingriff (davon wurde mir aus dem bereits genannten Grund abgeraten)
Entfernung der Gebärmutter (ich denke, dieser Punkt bedarf keiner Erklärung)

Etwas ernüchternd, was?
Aber keine Angst, ich lass dich nicht im Regen stehen. Am Ende des Beitrags findest du Tipps, die ich im Laufe der Jahre im Austausch anderer betroffener Frauen gesammelt habe.

Warum wir darüber sprechen müssen

Ich persönlich finde, dass das gesamten Krankheitsbild mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Es befinden sich so unheimlich viele Frauen in meinem Bekanntenkreis denen ihr eigener Körper einmal im Monat quasi zum Verhängnis wird. Und auch sie bekommen stets von den Ärzten zu hören, dass es sich dabei einfach um Regelbeschwerden handle.

Wie kann so etwas möglich sein? Warum schaffen wir es, zum Mond zu fliegen, scheitern aber am Ausfinden einer Ursache sowie einer zufriedenstellender Behandlung dieser schmerzhaften Krankheit?

Darüber hinaus würde ich mir wünschen, dass auch nicht betroffene Menschen darüber Bescheid wissen. Dies könnte für mehr Verständnis sorgen, vor allem in der Arbeitswelt. Viele Frauen müssen aufgrund der starken Symptome in den Krankenstand gehen. Nicht selten reagiert der oder die Vorgesetzte mit Unverständnis. Ein schlechtes Gewissen sowie ein Gefühl der Machtlosigkeit ist also vorprogrammiert. Einmal im Monat.

Also: Seid laut, macht darauf aufmerksam! Schämt euch nicht, offen darüber zu sprechen. Ich mache es auch.

Tipps zur Schmerzlinderung

Wer mir auf Instagram folgt, hat vielleicht meinen Aufruf nach betroffenen Frauen mitbekommen. Es haben sich viele Personen gemeldet, mit denen ein reger Austausch stattfand. In diesem Zuge habe ich ein paar wertvolle Tipps eingeheimst:

Vorbeugende Tipps:

  • verstärkte körperliche Betätigung wie Wandern oder Laufen vor der Menstruation (hilft mir persönlich am meisten!)
  • Entzündungshemmende Lebensmittel zuführen (Ingwer, Kurkuma, frisches Gemüse, kalt gepresste Öle)
  • Stressfaktoren in der Zeit der Menstruation vorausschauend vermeiden (kein voller Terminkalender!)
  • Akupunktur
  • CBD-Öl
  • Hormonmassage
  • „AVIVA Methode“

Akute Tipps während einer Schmerzphase:

  • bewusstes Atmen
  • Ruhe bewahren, um den Kreislauf nicht zusätzlich zu belasten
  • Wärmepflaster aufkleben, sofern sich die Wärme gut anfühlt
  • Sitzbad mit Frauenmantel: Frische oder getrocknete Blätter und Blüten zu einem starken Teesud abkochen, abseien und in das Wasser der Sitzbadewanne geben
  • Schafgarbe über die Ernährung zuführen (Sirup, Kräutersalz, Gewürz, Suppe,…)
  • Koffein meiden (Koffein lässt meinen Schmerz schneller von 0 auf 100 springen als so mancher Porsche)
  • Auf Tampons verzichten
  • Stress minimieren, Stressfaktoren wenn möglich ausmerzen
  • Yoga
  • Teufelskralle
  • CBD-Öl
  • … und zu guter Letzt: Schmerzmittel (ich greife zu Ibuprofen 400)

Diese Liste lässt sich natürlich noch erweitern. Darüber hinaus ist jeder Körper unterschiedlich und verlangt nach anderen Heilmitteln.
Wenn du noch einen Tipp hast, denn du gerne loswerden möchtest, lass es mich gerne wissen! Schreibe mir entweder eine Mail an photo@carmen-weidinger.com oder eine Nachricht auf Instagram.

Und da dieses Thema äußerst wichtig ist, verdient es eine Fortsetzung! In Teil 2 gibt es ein spannendes Interview zum Nachlesen – bis dahin müsst ihr euch allerdings noch ein bisschen gedulden.

Disclaimer:
Ich verfüge über keine ärztliche Ausbildung. Mithilfe dieses Beitrags möchte ich lediglich auf das Thema Endometriose hinweisen und sensibilisieren. Verzeiht mir also bitte, wenn ich manche Begriffe fachmännisch nicht korrekt verwende.